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{"id":2733,"date":"2025-06-19T15:12:57","date_gmt":"2025-06-19T15:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/spheredigest.com\/?p=2733"},"modified":"2025-06-19T15:12:59","modified_gmt":"2025-06-19T15:12:59","slug":"mullahs-statt-buerokratie-stoppen-aussenkanzler-merz-wiederholt-einen-merkel-fehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/spheredigest.com\/?p=2733","title":{"rendered":"Mullahs statt B\u00fcrokratie stoppen: Au\u00dfenkanzler Merz wiederholt einen Merkel-Fehler"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Merz sieht sich gerne als au\u00dfenpolitischer Kanzler. Global gro\u00df und lokal abwesend zu sein, hat aber schon vielen Politikern Probleme bereitet. Merz sollte das eine Warnung sein.<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p>Weltb\u00fchne statt Werkbank: Friedrich Merz ist fr\u00fch in seiner Kanzlerschaft zum Flugplatz abgebogen. Die Turbinen der Regierungsmaschine drehen seit seiner Amts\u00fcbernahme hochtourig. Der rote Teppich ist ein fliegender Teppich geworden, der den Kanzler auf all seinen Wegen begleitet: Paris, Warschau, Washington, D.C., Rocky Mountains.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wunder der Demokratie: Eben noch war man unsichtbarer Teil einer Masse, Mitglied eines Volkes, das mit 82 Millionen Menschen weniger als ein Prozent der Weltbev\u00f6lkerung repr\u00e4sentiert. Und pl\u00f6tzlich steht man streng bewacht am Fu\u00dfe der Rocky Mountains neben Donald Trump und geh\u00f6rt zu den gro\u00dfen Sieben der Welt. Das Scheinwerferlicht der Medien strahlt wohlige W\u00e4rme ab. Zumindest so lange, bis der US-Pr\u00e4sident voreilig abreist. Dann wird es schnell fr\u00f6stelig. Der Mensch strebt zur Masse zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Merz&#8216; Konzept des Au\u00dfenkanzlers klingt verlockend<br>Das Konzept des Au\u00dfenkanzlers klingt verlockend und bildet f\u00fcr die Regierungschefs aller L\u00e4nder die HON-Circle-Class der Politik. Das freut auch die journalistischen Begleiter, die sich mit dem Kanzler durch die Weiten der Galaxie bewegen. Weltpolitik! Geostrategie! Instagram! Das verspr\u00fcht f\u00fcr alle Beteiligten mehr Charme als der L\u00e4nderfinanzausgleich. Die Ausw\u00e4rtigen Angelegenheiten bedeuten Prestige, Pathos und einen coolen Einspieler in der Tagesschau. Und wenn man Gl\u00fcck hat \u2013 wie j\u00fcngst Friedrich Merz \u2013 ist auch CNN dabei.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Film ab: Die Welt wird zum Kinosaal und man selbst ist der Hauptdarsteller. Die eigenen Worte, die in der Opposition schon so abgenutzt und ausgeleiert klangen, erfahren durch das hohe Staatsamt eine wundersame Veredelung. Frieden. Freiheit. Zeitenwende.<\/p>\n\n\n\n<p>Innenpolitik ist das Bohren dicker Bretter<br>Miles &amp; More: Wer will schon Landstra\u00dfen sanieren und den Beh\u00f6rden das Faxger\u00e4t wegnehmen, wenn man in Jerusalem Frieden stiften oder in Kiew Waffen verteilen kann. Innenpolitik bedeutet mit Max Weber das Bohren dicker Bretter, weil man sich mit 630 Parlamentariern, 17 Ministern, 16 Landeschefs und mehr als 900 Beh\u00f6rden und Institutionen des Bundes auseinandersetzen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Wahrheit, die Max Weber uns verschwiegen hat: Viele dieser Bretter sind nicht aus Hartholz gemacht, sondern aus Beton gegossen.<\/p>\n\n\n\n<p>So besteht das Leben eines Innenkanzlers aus L\u00e4rm und Langeweile: Die IG Metall nervt. Die Verbraucherschutzverb\u00e4nde sind auch schon wieder frech. Die Preise klettern. Irgendein Parteifreund wetzt das Messer. Die TV-Talkshows lieben das Wort &#8222;Staatsversagen&#8220; und stellen die immer gleichen ketzerischen Fragen: Wohin driftet Deutschland? Und wo steckt eigentlich Friedrich Merz?<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer will B\u00fcrgerdialog f\u00fchren, wenn er beim State Dinner sein kann?<\/h2>\n\n\n\n<p>Aber wo soll der schon sein, wenn nicht auf der Belle Etage: Wer will schon die Arbeiterwohlfahrt in Bottrop besuchen oder \u2013 schlimmer noch \u2013 den B\u00fcrgerdialog in Gummersbach, wenn er stattdessen beim State Dinner neben Melania Trump sitzen darf?\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p>Es war der amerikanische Freigeist und Politiker Patrick Buchanan, der in den 90er-Jahren dreimal vergeblich um die Nominierung zum Pr\u00e4sidentschaftskandidaten rang, der das Establishment an die Basisarbeit der Demokratie erinnerte: &#8222;A Republic, Not an Empire&#8220;, hie\u00df sein Bestseller im Jahr 1999. Wir sind eine Republik, kein Imperium. Damit war alles gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ph\u00e4nomen der zwei so unterschiedlichen Missionen eines Regierungschefs hat niemand so gr\u00fcndlich untersucht wie der Politikwissenschaftler Aaron Wildavsky in seiner &#8222;Theorie der zwei Pr\u00e4sidentschaften&#8220;. Er sah einerseits das Welttheater der Au\u00dfenpolitik, das begleitet werden m\u00fcsse von den m\u00fchseligen Laub- und S\u00e4gearbeiten im Inland. Das Dilemma beginnt, wo das Rampenlicht endet: vor der Haust\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Global gro\u00df, lokal abwesend \u2013 so sind viele gescheitert<br>Viele Pr\u00e4sidenten sind gescheitert, weil sie die Balance der zwei Pr\u00e4sidentschaften nicht beherrschten. George W. Bush warb in seinem Wahlkampf 2000 noch f\u00fcr eine &#8222;bescheidene Au\u00dfenpolitik&#8220;. Dann kam 9\/11 \u2013 und damit Afghanistan, Irak, Guantanamo.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dann Hurrikan Katrina zum Start der zweiten Amtszeit 2005 die D\u00e4cher der H\u00e4user von New Orleans mit sich riss, war der Mann entzaubert. Er fand nicht den Weg ins Katastrophengebiet: Global gro\u00df, lokal abwesend. Im Ansehen der \u00d6ffentlichkeit fiel er steil nach unten: Mission failed.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Jimmy Carter ging es nicht besser. Niemand wei\u00df, wo Camp David liegt, aber jeder kennt das Schlagloch auf der eigenen Hauptstra\u00dfe. Innenpolitik ist das Fundament, Au\u00dfenpolitik die Fassade. Carter war der Fassadenkletterer der amerikanischen Politik. F\u00fcr ihn war nach nur einer Amtszeit schon Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Au\u00dfenpolitik machen nur Gro\u00dfm\u00e4chte den Unterschied<br>Nun ist es keineswegs so, dass man in der Au\u00dfenpolitik automatisch gl\u00e4nzt. Auch hier kann man Fehler begehen, die unverzeihlich sind. Kanzler Helmut Kohl verglich den F\u00fchrer der damaligen Sowjetunion, Michail Gorbatschow, im Interview mit dem &#8222;Time Magazine&#8220; mit Propagandaminister Goebbels, wof\u00fcr er sich dann wortreich entschuldigen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Angela Merkel ging bei den Minsker Gespr\u00e4chen Wladimir Putin auf den Leim und hat ihn mit der Anerkennung der Krim-Annexion wom\u00f6glich zum \u00dcberfall auf die Ukraine ermuntert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Au\u00dfenpolitik, auch das geh\u00f6rt zur Wahrheit dazu, k\u00f6nnen in der Regel nur die Gro\u00dfm\u00e4chte Amerika, Russland, China und Indien den Unterschied machen. Die Regierungschefs der kleinen Staaten \u2013 dazu geh\u00f6rt auch Deutschland \u2013 sind nicht mehr als gut frisierte Statisten. Macron wurde durch Trump eben erst daran erinnert, dass er ihn f\u00fcr ein W\u00fcrstchen h\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ob absichtlich oder nicht, Emmanuel liegt immer falsch.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Merz muss B\u00fcrokratie statt Mullahs stoppen<\/h2>\n\n\n\n<p>Womit wir wieder bei Friedrich Merz sind: Er hat angesichts der noch jungen Legislatur die Chance der fr\u00fchen Einsicht. Sein Arbeitsplatz befindet sich nicht in Nahost oder am Fu\u00dfe der Rocky Mountains, sondern im Bergwerk des deutschen Sozialstaates. Er muss nicht die Mullahs stoppen, nur den B\u00fcrokratiewahnsinn in Deutschland. Da hilft keine Kettens\u00e4ge und keine Bunkerbombe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fcrger erwarten von ihm nicht die Rettung des Weltfriedens, wohl aber die Rettung ihres Wohlstandes. Nach drei Jahren der Stagnation und bitterb\u00f6sen Prophezeiungen der Institute ist das kein Hobby, sondern sein Hauptjob. Um die Hebel seiner Macht zu bedienen, braucht er kein Flugzeug, sondern nur die U5, die in der N\u00e4he des Kanzleramts h\u00e4lt.\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong>&nbsp;Von Angela Merkel, die eine Reformkanzlerin sein wollte und dann zum au\u00dfenpolitischen Republikfl\u00fcchtling wurde, kann der Nach-Nachfolger nicht viel lernen. M\u00f6ge die Nachwelt \u00fcber Merz freundlicher urteilen als Wolfgang Sch\u00e4uble in seinen Memoiren \u00fcber Merkel:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Nach meiner Einsch\u00e4tzung h\u00e4tte sie ganz andere M\u00f6glichkeiten gehabt, um wirklich politisch zu f\u00fchren und nicht nur zu reagieren.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Merz sieht sich gerne als au\u00dfenpolitischer Kanzler. Global gro\u00df und lokal abwesend zu sein, hat aber schon vielen Politikern Probleme bereitet. Merz sollte das eine Warnung sein. 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